Pax Christi ruft zum Schutz der Jugend in Palästina auf Frieden für den Nahen Osten gefordert

An diesem Montag beginnt die Weltwoche für Frieden in Israel und Palästina. Dies nimmt die katholische Friedensbewegung Pax Christi International zum Anlass, um vor einer dramatischen Situation für die junge Generation in Palästina zu warnen.

"Das Wohlergehen und die Rechte von Kindern und jungen Menschen werden weiterhin von der Gewalt und dem Chaos bedroht, die durch 70 Jahre Konflikt, 51 Jahre Besatzung und die anhaltende Blockade des Gazastreifens verursacht werden", erklärte Pax Christi am Montag anlässlich der Weltwoche für Frieden in Israel und Palästina (WWPPI). Die bis 23. September dauernde Woche steht in diesem Jahr unter dem Motto "Jugend und Kinder: Hoffnung schüren und Veränderung bewirken".

Die Rechte palästinensischer Heranwachsender würden anhaltend verletzt, so die Organisation. Chronische Unterernährung, Verhaftungen und Strafverfahren gegen palästinensische Kinder in Israel, hohe Zahlen an Schulabbrechern und jungen Arbeitslosen stellten eine alarmierende Situation dar. Als besonders dramatisch beschreibt Pax Christi die Lage der jungen Generation im Gazastreifen.

Große Sorge wegen Entscheidungen der USA

Vor diesem Hintergrund sehe die Organisation mit größter Sorge auf die jüngsten Entscheidungen der USA, ihre Unterstützung für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA und für sechs palästinensische Kliniken in Ostjerusalem einzustellen. Die internationale Gemeinschaft rief die Friedensbewegung dazu auf, sich für den Schutz der Kinder und Jugendlichen einzusetzen.

Insbesondere müsste auf die Einhaltung der Menschenrechte gepocht sowie die grundlegende Versorgung einschließlich Gesundheitsvorsorge und Bildung sichergestellt werden.

Gleichzeitig obliege der jungen Generation eine wesentliche Rolle im Voranbringen des Friedens, so PCI weiter. Durch gewaltfreie Aktionen habe sie große Stärke gezeigt und übe damit Druck aus zugunsten von Frieden und Gerechtigkeit.

Die jeweils um den internationalen Tag des Friedens (21. September) organisierte WWPPI ist eine Initiative des Ökumenischen Forum Palästina/Israel des Ökumenischen Rates der Kirchen. Gefordert wird ein Ende der israelischen Besetzung Palästinas sowie ein gerechter Frieden.

Uri Avnery starb am 20. August im Alter von 94 Jahren. Der wohl bekannteste israelische Friedensaktivist setzte sich noch bis vor Kurzem intensiv für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ein.

Uri Avnery wurde 1923 in Deutschland geboren, wanderte 1933 nach Palästina aus. Er schloss sich als junger Mann der Irgun-Miliz an, nahm auch 1948 am israelischen Unabhängigkeitskrieg teil. Spätestens seit den Sechzigerjahren setzte er sich sehr aktiv für den Frieden zwischen Israel und den Palästinensern ein, 1993 war er einer der Gründer der Friedensinitiative Gush Shalom. In letzter Zeit nahm er öffentlich sehr kritisch Stellung u.a. zur Gazapolitik oder dem Nationalsstaatsgesetz Israels.





Uri Avnery, 2. Juni 2018

Stark wie der Tod

Oh, Gaza. Stark wie der Tod ist die Liebe.

Ich liebte Gaza. Das ist ein Wortspiel. Das biblische Lied der Lieder sagt, dass Liebe so stark ist wie der Tod. Stark auf Hebräisch ist Aza, Aza ist auch das hebräische Wort für Gaza.

Ich habe viele glückliche Stunden in Gaza verbracht. Ich hatte dort viele Freunde. Vom Linken Dr. Haidar Abd al-Shafi bis zum Islamisten Mahmoud al-Zahar, der nun Außenminister der Hamas ist.

Ich war dort, als Yasser Arafat, Sohn einer Familie aus Gaza, heimkam. Sie setzten mich in die erste Reihe beim Empfang an der Grenze in Rafah, und am Abend empfing er mich im Hotel am Strand von Gaza, und setzte mich neben sich auf der Bühne während einer Pressekonferenz.

Überall im Gazastreifen traf ich auf  eine freundliche Haltung, in den Flüchtlingslagern und in den Straßen von Gaza. Überall sprachen wir über Frieden und über den Platz, den Gaza in einem zukünftigen Staat Palästina einnehmen sollte.

Gut, aber was ist nun mit Hamas, der schrecklichen erzterroristischen Organisation ?

In den frühen 90er Jahren wies Premierminister Yitzhak Rabin 415 prominente Islamisten aus Gaza aus in den Libanon. Die Libanesen ließen sie nicht ins Land, so vegetierten die Ausgewiesenen ein Jahr lang unter freiem Himmel an der Grenze.

Wir protestierten gegen die Ausweisung und bauten ein Zelt auf gegenüber dem Büro des Premierministers in Jerusalem. Wir blieben dort 45 Tage und Nächte, einschließlich einiger Tage bei Schnee. Im Camp waren Juden und Araber, einschließlich israelisch-arabischer Islamisten. Wir brachten lange Tage und Nächte zu mit politischen Diskussionen. Worüber ? Natürlich über Frieden.

Die Islamisten waren nette Leute, sie behandelten meine Frau Rachel mit größter Höflichkeit.

Als den Exilierten schließlich erlaubt wurde zurückzukehren, gab es für sie einen Empfang in der größten Halle in Gaza. Ich war eingeladen, zusammen mit einer Gruppe von Gefährten. Ich sollte sprechen (natürlich auf Hebräisch) und danach gab es ein Bankett.

Ich erzähle das alles, um die Atmosphäre zu jener Zeit zu beschreiben. Bei allem, was ich sagte, betonte ich, dass ich ein israelischer Patriot war. Ich setzte mich für Frieden zwischen zwei Staaten ein. Vor der ersten Intifada (die am 9. Dezember 1987 begann) war Gaza kein Platz von dunklem Hass. Weit davon entfernt.

Februar 2019

Sechs
„ganz normale“ Tage im besetzten Palästina
(Auszug aus der monatlichen Auflistung der Palästinensischen Mission in Berlin)

17. Februar: Nahe Tubas, in der besetzten Westbank, greifen Siedler einen palästinen-sischen Schäfer und seine Herde an. Sie rasen mit hoher Geschwindigkeit auf die Herde zu und überfahren ein Schaf. Anschließend stehlen sie zwei weitere Schafe und gehen auf den Schäfer los. Dies alles geschieht im Beisein von israelischen Besatzungstruppen, die den Schäfer schließlich verhaften und stundenlang verhören. (Ma’an)

Im besetzten Jerusalem wird die Familie Abu Assab von Besatzungstruppen aus ihrem Haus gezerrt, um Platz für jüdische Siedler zu machen. Ein israelisches Gericht hatte entschieden, die seit 65 Jahren in dem Haus lebende Familie zu enteignen und zu vertreiben. Der Vater Hatem Abu Assab wird im Zuge der Räumung vor den Augen seiner Familie von israelischen Besatzungstruppen verprügelt. (Wafa) 

18. Februar: Israelische Polizeitruppen stürmen die Al-Aqsa-Moschee im besetzten Jerusalem, verhaften dort Einzelne, sperren alle Zugänge zur Moschee und zwingen die Betenden aus der Moschee (Wafa).
                                                                                                                                   
19. Februar: Bei Razzien in der gesamten besetzten Westbank werden mindestens 16 Palästinenser verhaftet, darunter einige Minderjährige, und zwar im Hebron-Distrikt, in Bethlehem, in Ramallah, in Qalqilya und in Jenin. (Ma’an)

Nördlich von Nablus beschlagnahmen Besatzungstruppen Fliesen im Wert von 100.000 Shekel (24.400 Euro) des Palästinensers Khaled Tamimi. Sie begründeten die Beschlagnahmung damit, dass Tamimi die Kacheln nicht im Gebiet, welches unter das C-Gebiet fällt, ausstellen dürfe. (Wafa)

Im besetzten Jerusalem versammelt sich aus Protest gegen die Schließung des Goldenen Tores eine Menge Gläubiger zum Abendgebet. Dutzende Palästinenser werden verletzt, als israelische Truppen brutal gegen die Betenden vorgehen. Mindestens fünfzehn  Palästinenser werden verhaftet. (Wafa)

20. Februar : Besatzungstruppen verhaften mindestens 40 Palästinenser in der gesamten besetzten Westbank, 26 davon im besetzten Jerusalem. Der Großteil von ihnen wird beim Beten verhaftet, als israelische Truppen das Gelände der Al Aqsa Moschee stürmen. Fünf Gläubigen wird untersagt, den Haram Al-Sharif (Tempelberg) in den kommenden Wochen zu betreten. (Div.)

Im besetzten Jerusalem wird eine palästinensische Familie obdachlos, weil israelische Bulldozer die beiden Häuser der Familie im Stadtteil Beit Haninna zerstören. Der Großteil der insgesamt 10-Köpfigen Familie al-Muhtaseb sind Kinder… Die Angestellten der Besatzungsbehörden übergaben am selben Tag noch weitere Abrissanordnungen an palästinensische Familien. (Ma’an)

Hunderte radikaler Siedler, eskortiert von einem Großaufgebot israelischer Besatzungstruppen, erzwingen sich den Zugang zum Josefs-Grab in der Stadt Nablus in der besetzten Westbank. Daraufhin versammeln sich Palästinenser, um gegen das Eindringen zu protestieren. Die Besatzungstruppen feuern direkt mit schweren Gummigeschossen und Tränengasgranaten auf  die Palästinenser und verletzen 10 Menschen. (Wafa)                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      21. Februar: Vor der Küste des Gaza-Streifens attackiert die israelische Marine zwei palästinensische Fischerboote. Israelische Soldaten eröffnen von einem Schiff das Feuer auf ein Boot, auf dem ein palästinensischer Fischer mit seinem Sohn arbeitet. Die beiden werden getroffen und verletzt festgenommen. Das beschädigte Boot wird konfisziert. Ein weiteres Boot wird von einem israelischen Schiff gejagt und gerammt. Der Fischer an Bord wird schwer verletzt und muss ins Krankenhaus gebracht werden. (Wafa)

In Hebron greifen extremistische Siedler gemeinsam mit den Besatzungstruppen am Morgen eine Grundschule in der Altstadt an. Mehr als 30 Schüler erleiden aufgrund des massiven Beschusses mit Tränengas schwere Atemnöte. (Ma’an)

22. Februar: Bei den wöchentlichen Demonstrationen im Gaza-Streifen zum Großen Marsch der Rückkehr erschießen die israelischen Besatzungstruppen den 15-Jährigen Youssef Said Hussein al-Dayeh mit scharfer Munition. Mehr als 41 weitere Palästinenser werden durch den Beschuss verletzt. (Ma’an)

Im Dorf al-Mughayyir nahe der Stadt Ramallah in der besetz-ten Westbank demonstrieren Palästinenser friedlich gegen die Beschlagnahmung ihres Landes. Die Besatzungstruppen schießen rücksichtslos mit scharfer Munition, Gummi-  geschossen und Tränengas auf die Demonstranten und verletzen drei Palästinenser schwer. Dutzende weitere erleiden Atemnot durch den massiven Einsatz von Tränengas. (Ma’an)

BITTE BEACHTEN SIE:  Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit