Jahreshauptversammlung des Vereins Bildung und Begegnung Palästina e.V.

Corona- eine besondere Herausforderung für Palästina

Der Verein hielt am 17. Mai 21 seine Mitgliederversammlung im Wieslocher Kulturhaus ab und blickte - trotz der Einschränkungen durch die Pandemie – auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurück. In seinem Jahresbericht machte der Vorsitzende Günter Schroth deutlich, dass alle laufenden Projekte weitergeführt wurden. Die Schulpatenschaften für 28 Kinder (je 360.-€), die Unterstützung des Kinder-Hospitals in Bethlehem (mobiler Sozialdienst zur Betreuung von Müttern und deren Kindern), sowie „Tent of Nations“ von Daoud Nasser, der besonders unten den Anfeindungen der israelischen Siedler leidet, die auch nicht vor Zerstörungen des Weinberges zurückschrecken. In gleicher Weise bleibt der Verein den Friedenserziehungsaktivitäten der in Wiesloch gut bekannten Autorin Dr. Sumaya Farhat-Naser verbunden. Dank der großzügigen Unterstützung von Vereinsmitgliedern und weiteren Unterstützenden, konnten insgesamt über 6.000.-Euro weiter gegeben werden.

Desweiteren war eine Satzungsergänzung notwendig geworden, um den Anforderungen der Gemein-nützigkeit zu genügen. Der Änderung wurde einstimmig zugestimmt.-

Eine lebendige Vereinsarbeit lebt auch von Zukunftsplänen wie öffentliche Lesungen und Informationsveranstaltungen. Geplant ist, u.a. eine Lesung mit Abdullah Frangi ,(früherer „Botschafter“ von Palästina, damals noch in Bonn) sowie eine Lesung mit Texten eines palästinensischen Autors und ein Vortrag von Dr. Christian Schwarz zum Thema „Wem gehört Palästina“. Außerdem wurden die Bundestagskandidaten unserer Region mittels einer Briefkampagne und einem Fragebogen zur Stellungnahme zum Nahostkonflikt gebeten. Die Verantwortlichen sind auf die Antwort der Kandidaten und Kandidatinnen sehr gespannt.

Durch einen sehr berührenden Kurzfilm einer israelischen Regisseurin wurde den 20 Anwesenden der aktuelle Stand der Coronasituation in Palästina dargestellt. Während die Besatzungsmacht Israel rd. 60% ihrer Bürger geimpft hat, liegt die Quote der Schutzbefohlenen Palästinenser bei 3%.  Das ist schlicht völkerrechtwidrige Praxis Israels. Dazu kommt, dass die medizinische Ausstattung Palästinas unbeschreiblich mangelhaft ist.

Diese humanitäre Notlage sehen die Versammelten als momentan dringendste Aufgabe. Deswegen startet der Verein unter Mitgliedern und allen Menschen guten Willens eine Spendenaktion. Die Gelder werden der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ zur Verfügung gestellt, die in Palästina ein Impfprojekt gestartet haben. Spenden können ab sofort auf das Konto des Vereins überwiesen werden. Volksbank Kraichgau, IBAN: DE 30 6729 2200 0028 3435 07. Zweck: Coronahilfe Palästina. (eine Spendenquittung wird ausgestellt) Der Verein wird zeitnah über den Stand der Verwirklichung berichten.

Voll Hoffnung konnte so die Zusammenkunft beendet werden.

rsgs

Verein Bildung und Begegnung Palästina wirbt um Patenschaften für Kinder

Artikel aus der WieWo von Günter Schroth


(chs). Nur noch wenige Tage bis Weihnachten, Familien bereiten sich vor, es wird für die Feiertage eingekauft, die Geschenke sind verpackt, vielleicht steht schon der Weihnachtsbaum in der guten Stube. Doch nicht alle Familien können sich auf dieses Fest freuen, vor allem wenn sie in Palästina wohnen, wie Günter Schroth, Vorsitzender des Vereins Bildung und Begegnung Palästina im Gespräch betont. Seit vielen Jahren unterstützt der Verein die beiden Schulen Beit Sahour und Talitha Kumi, die in der seit 50 Jahren von Israel besetzten Westbank liegen. Beides sind Bildungseinrichtungen, in denen Kinder vom Kindergartenalter bis zum Abitur unterrichtet werden, zum Teil auch in Deutsch. Nach bestandenem Abitur haben die Absolvent*innen dann auch die Möglichkeit im Ausland zu studieren. Die Schulkosten für die Kinder  betragen rund 1.500 Euro, die durch Patenschaften, Elternbeiträge und den Schulträger finanziert werden.

„Momentan ist die Situation sehr bedrückend, aufgrund der Pandemie wurden  viele Eltern arbeitslos, staatliche Unterstützung ist nicht zu erwarten, so dass die Schulkosten bisweilen gestundet werden“, so Schroth. Bislang konnten Schroth und sein Verein BBP für insgesamt 41 Kinder und Jugendliche Patenschaften vermitteln. „Gerade jetzt würden wir uns freuen, wenn wir weitere Familien, Gruppen oder auch Einzelpersonen motivieren könnten, die Patenschaft für ein Mädchen oder einen Jungen zu übernehmen. Die Kosten belaufen sich auf 360 Euro im Jahr, die den Schulbesuch in den genannten Schulen garantieren.

Adelheid Pintsch übernimmt schon seit Jahren eine Patenschaft und beschreibt diese Motivation so „Diese Kinder leiden ganz besonders unter der sich permanent verschlechternden Situation für Palästinenser. Eine gute Schulbildung gehört mit zum Besten, was wir diesen Kindern mit auf den Weg geben können. Mein erstes Patenkind - ein Mädchen - schloss die Schule in Beit Sahour mit dem Abitur ab und begann ein Studium. Ein Grund zu großer Freude! Für alle Schulkinder ist der Schulalltag, in der katastrophalen Situation in der sie leben, ganz sicher ein Lichtblick“. Und Ursula Berti schreibt „Bildung ist für palästinensischen Kinder besonders wichtig.  Da ich an der politischen  Situation nichts ändern kann, unterstütze ich Schulkinder, die mit dieser Hilfe eine gute Schule besuchen können. Besondern gefällt mir, dass in den Schulen, die von Christen unterhalten werden, Kinder aller Konfessionen aufgenommen werden“.

„Gute Schulbildung ist für mich einer der wichtigsten Pfeiler für Friedensarbeit. Deshalb habe ich schon vor Jahren angefangen, eine Patenschaft für ein palästinensisches Kind zu übernehmen, um ihm den Schulbesuch zu ermöglichen. Bei unserer Studienfahrt nach Palästina wurde ich in die Familie meines damaligen Patenkindes eingeladen. Wir konnten uns von der guten Arbeit der Evangelisch-Lutherischen Schulen in Beit Sahour und Beit Jala selbst überzeugen. Einen Besuch des Schulchores aus Beit Sahour an meiner eigenen Schule in Sinsheim und die vielen Begegnungen zwischen den deutschen Kindern und ihren palästinensischen Gästen haben wir alle noch in lebhafter Erinnerung“, so Gudrun König.


Wenn Ihr Interesse geweckt wurde, auch eine Patenschaft zu übernehmen, können Sie sich mit Günter Schroth in Verbindung setzen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

  1. September 2020

Liebe Freunde,

Herzlichen Dank für die Unterstützung und Begleitung, die wir stets erhalten. Euer Beistand und die Vermittlung von Ideen und Gedanken sowie Zeichen des Mitgefühls, und die finanzielle Unterstützung, ermöglichen Friedenserziehung, Fortbildung, Motivierung und Coaching von Frauen und Jugendlichen in Palästina. Gerade in dieser schweren Zeit der Pandemie und der katastrophalen politischen  Situation, brauchen wir Stütze und Impulse, die Perspektive zeigen. Wir dürfen nicht schwach werden oder  uns beirren lassen. Daher haben wir keine andere Wahl als uns noch mehr anzustrengen und zu arbeiten, damit die Hoffnung erhalten bleibt.

Freunde baten darum, über die Situation zu berichten und  hier schreibe ich:

Die Probleme um uns werden mehr und das ist eine Herausforderung, die uns verpflichtet  uns noch mehr anzustrengen und aktiv zu bleiben. Die Schulen sind geöffnet worden nach sieben Monaten Schliessung. Es ist schwer die Kinder wieder in Griff zu bekommen, aber sie freuen sich, sich wieder zu treffen. Vieles muss über Internet vermittelt werden und E-Learning wird zunehmend gefordert. Doch sehr viele Häuser haben weder Computer noch Internetanschluss. Lehrerinnen und Lehrer werden in die neuen Lehrmethoden eingeführt.  Aber sehr viele Mütter brauchen dringend Computer-Kurse und Zugang zu Computern und Internet. Das Geld hierfür fehlt. Viele haben ihre Arbeit verloren. Angestellte und Beamte des öffentlichen Dienstes bekommen seit fünf Monaten nur einen Drittel des Gehaltes, manche Krankenhäuser und privat Betriebe auch. Die palästinensischen Behörden haben kaum Geld. Die den Palästinensischen Behörden zustehen gesammelten Zoll und Steuergelder seitens Israels werden seit Monaten um ein Drittel gekürzt. Die Summe, die zur Versorgung der Familien von Gefangenen und Getöteten Palästinensern bestimmt sind, wird einfach nicht ausgehändigt. Als Besatzungsmacht nimmt sich Israel das Recht über alles zu bestimmen . Israel bestraft die Familien, weil ihre Kinder und Männer, aufgrund des Widerstandes,  gefangen genommen oder getötet werden.   Aber wovon sollen sie leben? Solche Massnahmen schaffen neuen Widerstand und noch mehr Jugendliche werden gegen Israel kämpfen wollen, um zu überleben. Es ist ein Teufelskreis.  Die Spenden vom Ausland sind weniger geworden auch an NGO’s, Schulen und Institutionen. Die Pandemie verbreitet sich stark und bringt Not und Armut mit sich. Es fehlen die nötigen medizinischen Versorgungsmassnahmen. Ein grosses Problem ist die Nicht Einhaltung der Gesundheitssicherheitsmassnahmen seitens vieler Menschen. Trotz Strafen und Aufklärung wollen viele nicht sich einfügen.

Politisch feiern manche Golfstaaten und Israel «Normalisierung» und nennen es Friedenabkommen. Normalisierung ist etwas Schönes unter normalen Staaten und Frieden schaffen ist wunderbar zwischen verfeindeten Ländern. Das schönste wäre, wenn Israel mit Palästina Normalisierung macht und den Frieden zwischen Israel und Palästina gefeiert würde. Doch die gemachte Politik von Israel und USA gegen über den Palästinenser beruht auf Ausblendung und Verachtung der legitimierten existentiellen Bedürfnisse der Menschen.  Mit Gewalt wird Politik bestimmt und erzwungen.

Die Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahren, Sudan oder Oman hat niemals  Krieg mit Israel gehabt oder Soldaten zum Kampf geschickt.  Seit mehr als zwanzig Jahren existieren wirtschaftliche, militärische, strategische  und Sicherheitsbeziehungen zwischen Israel und den Golfstaaten, allerdings unter dem Tisch. Heute werden sie bekannt gegeben, weil das wichtig für die Wahlen in USA ist und um die Politik Israels zu verschönern glaubt. Es ist ein Versuch, um die Augen zu verschliessen vor den existenzbedrohlichen Massnahmen, die Israel in den Besetzten Gebieten macht. Es wird gefeiert und den Eindruck verbreitet, Frieden sei eingetreten und in Palästina geht die Besiedlung und Annexion verstärkt weiter. Landwegnahme, Häuserzerstörung, Gefangennahme von Menschen und Erweiterung von Siedlungen wird wie nie zuvor verstärkt durchgeführt.  Im Jordantal, das offiziell annektiert werden sollte, sind alle 15 Unterirdische Wasserbrunnen, die die gesamte Landwirtschaft für Palästinenser bewässern, verschüttet worden und die Lizenz für deren Nutzung aufgehoben worden. So kann die Landwirtschaft nicht mehr betrieben werden. Die Bauern werden gezwungen das Land zu verlassen, damit Besiedelung fortschreitet und Annexion leichter möglich wird. Die Palästinenser hatten Hoffnungen, Gegenseitige diplomatische Beziehungen und Normalisierung der Beziehungen zwischen allen arabischen Staaten und Israel würden auch Palästina einschliessen. Daher sind Enttäuschungen, Verbitterung und Gefühle des Verrats bei Palästinenser aufgeweckt worden.

Der «Jahrhundert - Deal» von Trump verkündet als die Lösung, die erzwungen werden soll, um den Nahost Konflikt zu beenden,  war von    Netanyahu und drei jüdisch-amerikanische Politiker ( Koshner, Greenblatt und Friedmann) entworfen und zur Bestätigung dem Präsidenten zum Verkünden vorgelegt. Die Palästinenser sind total umgangen worden und  mit Überheblichkeit und Verachtung begegnet worden, und diese Haltung dauert an. Die Annexion von mehr als ein Drittel der Westbank ist keineswegs widerrufen, sondern nur verschoben, denn sie ist im Jahrhundert Deal beinhaltet.  Tatsache ist, dass die Annektierung am Boden fortschreitet.  Die offizielle Verkündung der Annektierung soll Souveränität auf das Gebiet legitimieren und im grossen Masse Privatland konfiszieren ermöglichen.  Das annektierte Land würde dann von Verhandlungen ausgeschlossen sein.

Aus Protest und aus der totalen Aussichtslosigkeit heraus, haben die Palästinensischen Behörden die Sicherheits-Koordination und im Bereich ziviler Angelegenheit mit Israel gestoppt.  Mit gedemütigten und zerknickten Menschen kann nie Vertrauen und wahrer Frieden wachsen. Die Wirkung ist noch mehr leiden. Es zeigt aber auch, was es heisst unfrei und  völlig von der Militärbesatzung abhängig zu sein.  Jegliche Perspektive für ein normales Leben wird behindert. Weder Planung noch Durchführung von Wirtschafts-, Bildung- und Zukunftsplanung können ohne Bewilligung Israels nicht stattfinden. Das ist ein Druckmittel um die Interessen Israels allein zu sichern. Mehr als hundert Tausend Arbeiter sind auf Lohnarbeit in Israel angewiesen.  Unter schweren und ungerechten Bedingungen arbeiten sie, weil sie überleben wollen. Mittelmänner aus Israel und Palästina besorgen die Arbeitsgenehmigung. Diese Genehmigungen werden vergeben mit der Bedingung, dass jeder Arbeiter ein Viertel seines Tageslohnes an die Vermittler abgibt. Es gibt keinerlei Schutz. Besatzung macht beide Seiten korrupt.  

Wer Macht hat diktiert das Geschehen. Die Interessen der USA und Europe sind an den Interessen Israels geknüpft. Sie tun, was Israel verlangt, unbeachtet  internationaler- und Menschenrechtskonventionen.  Sie schweigen und lassen zu, dass die in Friedensverhandlungen erreichte Einverständnisse nicht mehr gelten.

Die Golfstaaten werden von feudalen, diktatorischen  Regimen beherrscht.  Die Emire und Könige bangen um ihre Reiche. Israel und USA haben es geschafft, die Golfstaaten zu überzeugen, dass Iran sie bedroht und dass Israel allein ihnen Sicherheit gewährleisten kann. Die Golfstaaten haben viele amerikanische und europäische Militärstützpunkte und sie sind voll mit hochmodernen Waffensystemen, die sie kaufen müssen, doch sie nur von den Fremdschutzmächte gebraucht werden. Der Krieg in Jemen wird von Saudi-Arabien, Bahren und Emirate geführt gegen einen Teil der Jemeniten, die mit Iran verbündet sind.  Es geht hier um Beherrschung der Region. Vor zwei Jahren hat die Emirate mit Unterstützung von Saudi-Arabien die  jemenitische Insel Sokatra am  Ostausgang des  Golfs von Eden besetzt. Die Emirate und Israel wollen auf dieser Insel Militärstützstation aufbauen für militärische und Spionage Aktivitäten. Es entsteht eine Allianz von Israel und den Golfstaaten gegen Iran und Oppositionelle der jeweiligen Regime.

Diese Allianz wird von den Nachbarstaaten als eine Bedrohung verstanden.

Wann machen wir eine Allianz für Frieden? Das würde viel weniger kosten und würde viel Leid und Not ausräumen.

Die Politik heute,  von den Mächtigen geführt,  basiert auf Beherrschung von Ressourcen wie Erdöl und Gas Vorkommnissen. Konflikte und Kriege werden innerhalb der Länder und Regionen initiert und gefördert, damit das Waffengeschäft noch mehr wuchert. Das Leben der Menschen zählt in dieser Zeit viel weniger in den Köpfen der Macht-und Geldgierigen, Waffenproduzenten und Waffen-Verkäufer.  Und genau diese eifern sich dann, um Friedensverhandlungen unter der verfeideten Seiten zuverwalten.

Meine Arbeit mit Frauen und Jugendlichen geht hauptsächlich via Internet und Telefon, manchmal persönliche Begegnung unter strenger Vorsicht und Befolgung der Gesundheits- Sicherheitsmassnahmen. Die Arbeit konzentriert sich auf Beratung und Besprechung von Themen, die zu ihrer Selbststärkung und Motivation, wie auch Ermutigung zur Hoffnung und Kreativität schaffen. Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen Handfertigkeiten zu vermitteln, wie sie mit der schwierigen Zeit auskommen, Bildung und Qualifizierung als Hauptziel behalten, sich schützen,  und bestens anpassen.

Wegen der Pandemie konnte meine Lese-und Vortragsreise in Mai 2020 nicht stattfinden, und die geplant Reise für November 2020 scheint auch schwer zu machen. Um den 20. Oktober entscheide ich mich, ob die Termine  in der zweiten Hälfte November möglich sein wird oder nicht. Die Begegnungen sind immer wichtig für Berichten und Aufklären und sie ermöglichen Unterstützung für die Arbeit, die weiter gehen muss.

Denn Kontinuität  schafft Hoffnung, und Hoffnung kommt durch die kleinen gesammelten Erfolge, die jede und jeder durch Bildung und Arbeiten an sich selbst erfährt. Wirkung von Erfolg und Freude sowie Erfahrung der positiven Stärke ermöglichen gutes Wohlbefinden und bewahren Sinn und Glauben an Werte der Menschlichkeit.

Wir wollen glauben, hoffen und vertrauen.

Liebe Grüsse und alles Gute

Sumaya Farhat-Naser

In seinem Newsletter vom 11. September 2020 berichtet Daoud Nassar

Es ist für uns sehr trostreich zu spüren, dass wir bei allem, was uns widerfährt, nicht allein sind. Herzlichen Dank all unseren Freunden, die uns in dieser schwierigen und kritischen Zeit, in der wir uns befinden, zur Seite stehen.

Wie ihr wisst, befinden wir uns mitten im Prozess der erneuten Land Registrierung.

Das erste Mal kam das Komitee für die Registrierung am 30. Juni 2020 auf den Weinberg, um die Grenzen der beiden Teile des Landes, die in unserem Besitz sind, zu kontrollieren. Bei dieser Gelegenheit sollten die Nachbarn unterschreiben und bezeugen, dass die Grundstücke uns gehören. Dies ist ein wichtiger Schritt im Prozess der Neuregistrierung. An diesem Tag konnte das Komitee alle Markierungen und Nummern nicht finden und musste deshalb das Verfahren abbrechen.

Wir mussten drei Landvermesser bestellen, die zwei Tage später kamen. Dann mussten wir bei 40 Grad Hitze alle Grenzen der Farm ablaufen – bergauf, bergab – über Steine und um Steine herum. Mit schwarzer Spray Farbe markierten wir jede Stelle der Grenze, die mittels GPS System angezeigt wurde und so die Genauigkeit der Markierung sicherstellt.

Das Komitee kam am 21. Juli 2020 wieder, um die erste Parzelle zu kontrollieren. Alle palästinensischen Nachbarn, deren Grundstücke an unsere Farm grenzen, waren anwesend. Sie bezeugten die Richtigkeit mit ihrer Unterschrift. Sie verhielten sich alle sehr kooperativ, und das Verfahren verlief total ruhig und reibungslos.   

Am 28. Juli 2020 kam das Komitee erneut, um den zweiten Teil zu kontrollieren. Bei den Dorfbewohnern stand hauptsächlich die Forderung zur Debatte, kleine Wege durch unser Land zu öffnen, um es unseren Nachbarn zu erlauben, darauf zu ihrem Grundstück zu gelangen. Wir erlaubten dies bereits vor einiger Zeit, aber die Frage drehte sich nun um die Forderung, dass diese Erlaubnis auch in den Papieren der Neuregistrierung vermerkt werden sollte. Wir befürchteten, dass wir den gesamten Prozess nochmals beginnen müssten, wenn wir uns formell damit einverstanden erklärten. Der gesamte Einwand konzentrierte sich an jenem Tag bei einigen Nachbarn nur auf die geforderten Wege. Niemand bestritt, dass wir die Besitzer des

Grundstücks sind. Einige Tage später besuchten mich ein paar Freunde aus dem Dorf und brachten drei weitere Leute mit. Diese drei Leute behaupteten, dass ein Teil des Grundstücks, das wir neu registrieren ließen, ihnen gehöre. Übrigens waren diese drei Leute am 28. Juli 2020 ebenfalls vor Ort als das Komitee kam,   aber     in Anwesenheit          des Komitees stellten sie keinerlei Besitzansprüche. Ich erklärte ihnen, dass wir alle notwendigen Besitzurkunden haben und sie dürften ihre Klage gern dem Gericht unterbreiten; jegliche Streitfragen könnten dort gelöst werden.           

Am 28. August rief mich ein Nachbar an, um mir mitzuteilen, dass diese gleichen drei palästinensischen Leute  aus dem Dorf mit einem Traktor kämen und beginnen würden, auf unserem Grundstück zu arbeiten. Ich habe sofort die Polizei benachrichtigt und ging zum Palästinensischen Regional Gouverneur, um eine Klage zu deponieren. Ich nahm ebenfalls Kontakt mit dem Gericht auf, um eine Anordnung zu erhalten, diesen Leuten Einhalt zu gebieten; dies ist noch im Gange, und ich hoffe, diese Anordnung bald zu erhalten.

Am 30. August ging ich zusammen mit Jihan hinunter ins Tal, um die Bäume zu bewässern und fand einen „Anbau Stop“ Befehl (stop cultivation order); später fand ich zwei weitere solcher Befehle im neuen Weinberg, wo wir vor ein paar Jahren Olivenbäume, Weinreben und Obstbäume gepflanzt hatten. Die Siedler von Neve

Daniel reichten beim Obersten Gericht Klage ein, um uns am Verfahren der Neuregistrierung zu hindern. Sie behaupteten, dass das Grundstück Staatsland sei

und wir es nicht als Privateigentum neu registrieren dürften. (Die Gerichtsverhandlung ist für den 30. September 2020 angesetzt)

Am 3. September haben Jihan und Amal Trauben im neuen Weinberg gepflückt. Sie standen 20 bis 30 mit Stöcken bewaffneten jungen Leuten gegenüber, die den Zaun zum neuen Weinberg niedergerissen hatten und drohten, die Wohnhöhle vom Weinberg zu zerstören. Jihan gelang es, Tony Nassar in Bethlehem anzurufen, der die Polizei benachrichtigte.

Am 4. September kamen Eindringlinge während der Nacht auf das Grundstück und haben gravierende Zerstörungen in der Höhle verursacht. Sie brachen die stark befestigte Tür zur Höhle auf, zerbrachen die Fenster, leerten die Regale und Schränke, warfen den Inhalt auf den Boden und verursachten weitere Schäden. Ausserhalb der Wohnhöhle zerstörten sie die kleine Solaranlage und die Batterien und stahlen den Generator. Beides versorgte die Höhle mit Elektrizität. Ferner zerstörten sie die Überwachungskamera und stahlen das Aufnahmegerät der Kamera. Auch wurden die dort vorhandenen Werkzeuge gestohlen. Der von den

Eindringlingen angerichtete Schaden beläuft sich auf etwa $30‘000. Die einzig gute Tatsache hierbei war, dass sich in jener Nacht keine Familienmitglieder dort befanden. Wir versuchen noch immer herauszufinden, wer hinter diesem Angriff steckte, was das Motiv war und warum es gerade jetzt geschah.

Während der ganzen letzten Zeit haben wir die gesamte Arbeit auf der Farm wegen des „Corona Virus“ allein ohne Arbeiter anzustellen und ohne die Hilfe von internationalen Volontären bewältigen müssen. Es ist wichtig für uns, auch während der Nacht auf dem Land bleiben, um Tag und Nacht unsere Präsenz zu zeigen. Wir haben Mandeln und Trauben geerntet und beenden auch bald die Feigen Ernte. Glücklicherweise war die Trauben Ernte in diesem Jahr sehr gut, aber unglücklicherweise haben wir keine Volontäre zum Helfen. Das größte Problem ist momentan, was wir mit der Ernte machen sollen. Wir wollen in diesem Jahr keinen Wein machen, da wir noch genügend vom letzten Jahr haben. Trauben auf dem Lokalmarkt zu verkaufen, rentiert nicht. Wir stellen Marmelade aus Trauben sowie eine Art „Licorice“ (Lakritze) aus getrockneten Trauben her.

Ein weiteres großes Problem stellt im Moment die Solar Anlage dar. Die Batterien sind bald verbraucht, und wir müssen sie ersetzen. Wir benutzten zeitweise den Diesel Generator, aber der ist zu laut – besonders während der Nacht. Ich befasse mich mit diesem Problem.          

Ich möchte so gern gute Nachrichten verbreiten, um mich und auch all unsere Freunde zu ermutigen, die hoffnungsvolle Nachricht erwarten. Ich kämpfe darum, aber woher soll man diese Hoffnung inmitten dieser Finsternis, in der wir uns befinden, nehmen? Ich weiß, dass die Kerze in diesem dunklen Tunnel noch immer brennt, aber ich kann sie noch nicht sehen. Ich muss mich darauf konzentrieren und in die betreffende Richtung sehen und lauschen, wo sie zu finden ist. Wir sind sicher, dass diese Kerze da ist und brennt, und ihr tragt sie für uns!             

Meine Freunde, unsere Reise wird fortgesetzt. Danke für euer Mittragen und Begleiten auf unserer langen Reise! Herzlichen Dank für all eure Gebete, Liebe und Unterstützung!     

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet fest am Gebet“.          

Gottes Segen und Friede sei mit euch!  

Daoud

Wir möchten in diesem Zusammenhang auf das Spendenkonto hinweisen, dass Gregor Schröder mit seinem Verein InterKult e.V. in Bonn für den Weinberg eingerichtet hat:

Bankverbindung - Kontoinhaber: JugendInterKult e.V., BIC: GENODED1BRS, 

IBAN: DE09 3806 0186 0704 8870 19, Verwendungszweck: „Daoud Nassar Tent of Nations“

(Spendenbescheinigung erst ab 100 €, da das Finanzamt Spenden bis 200 € ohne Spendenquittung anerkennt.)