1. September 2020

Liebe Freunde,

Herzlichen Dank für die Unterstützung und Begleitung, die wir stets erhalten. Euer Beistand und die Vermittlung von Ideen und Gedanken sowie Zeichen des Mitgefühls, und die finanzielle Unterstützung, ermöglichen Friedenserziehung, Fortbildung, Motivierung und Coaching von Frauen und Jugendlichen in Palästina. Gerade in dieser schweren Zeit der Pandemie und der katastrophalen politischen  Situation, brauchen wir Stütze und Impulse, die Perspektive zeigen. Wir dürfen nicht schwach werden oder  uns beirren lassen. Daher haben wir keine andere Wahl als uns noch mehr anzustrengen und zu arbeiten, damit die Hoffnung erhalten bleibt.

Freunde baten darum, über die Situation zu berichten und  hier schreibe ich:

Die Probleme um uns werden mehr und das ist eine Herausforderung, die uns verpflichtet  uns noch mehr anzustrengen und aktiv zu bleiben. Die Schulen sind geöffnet worden nach sieben Monaten Schliessung. Es ist schwer die Kinder wieder in Griff zu bekommen, aber sie freuen sich, sich wieder zu treffen. Vieles muss über Internet vermittelt werden und E-Learning wird zunehmend gefordert. Doch sehr viele Häuser haben weder Computer noch Internetanschluss. Lehrerinnen und Lehrer werden in die neuen Lehrmethoden eingeführt.  Aber sehr viele Mütter brauchen dringend Computer-Kurse und Zugang zu Computern und Internet. Das Geld hierfür fehlt. Viele haben ihre Arbeit verloren. Angestellte und Beamte des öffentlichen Dienstes bekommen seit fünf Monaten nur einen Drittel des Gehaltes, manche Krankenhäuser und privat Betriebe auch. Die palästinensischen Behörden haben kaum Geld. Die den Palästinensischen Behörden zustehen gesammelten Zoll und Steuergelder seitens Israels werden seit Monaten um ein Drittel gekürzt. Die Summe, die zur Versorgung der Familien von Gefangenen und Getöteten Palästinensern bestimmt sind, wird einfach nicht ausgehändigt. Als Besatzungsmacht nimmt sich Israel das Recht über alles zu bestimmen . Israel bestraft die Familien, weil ihre Kinder und Männer, aufgrund des Widerstandes,  gefangen genommen oder getötet werden.   Aber wovon sollen sie leben? Solche Massnahmen schaffen neuen Widerstand und noch mehr Jugendliche werden gegen Israel kämpfen wollen, um zu überleben. Es ist ein Teufelskreis.  Die Spenden vom Ausland sind weniger geworden auch an NGO’s, Schulen und Institutionen. Die Pandemie verbreitet sich stark und bringt Not und Armut mit sich. Es fehlen die nötigen medizinischen Versorgungsmassnahmen. Ein grosses Problem ist die Nicht Einhaltung der Gesundheitssicherheitsmassnahmen seitens vieler Menschen. Trotz Strafen und Aufklärung wollen viele nicht sich einfügen.

Politisch feiern manche Golfstaaten und Israel «Normalisierung» und nennen es Friedenabkommen. Normalisierung ist etwas Schönes unter normalen Staaten und Frieden schaffen ist wunderbar zwischen verfeindeten Ländern. Das schönste wäre, wenn Israel mit Palästina Normalisierung macht und den Frieden zwischen Israel und Palästina gefeiert würde. Doch die gemachte Politik von Israel und USA gegen über den Palästinenser beruht auf Ausblendung und Verachtung der legitimierten existentiellen Bedürfnisse der Menschen.  Mit Gewalt wird Politik bestimmt und erzwungen.

Die Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahren, Sudan oder Oman hat niemals  Krieg mit Israel gehabt oder Soldaten zum Kampf geschickt.  Seit mehr als zwanzig Jahren existieren wirtschaftliche, militärische, strategische  und Sicherheitsbeziehungen zwischen Israel und den Golfstaaten, allerdings unter dem Tisch. Heute werden sie bekannt gegeben, weil das wichtig für die Wahlen in USA ist und um die Politik Israels zu verschönern glaubt. Es ist ein Versuch, um die Augen zu verschliessen vor den existenzbedrohlichen Massnahmen, die Israel in den Besetzten Gebieten macht. Es wird gefeiert und den Eindruck verbreitet, Frieden sei eingetreten und in Palästina geht die Besiedlung und Annexion verstärkt weiter. Landwegnahme, Häuserzerstörung, Gefangennahme von Menschen und Erweiterung von Siedlungen wird wie nie zuvor verstärkt durchgeführt.  Im Jordantal, das offiziell annektiert werden sollte, sind alle 15 Unterirdische Wasserbrunnen, die die gesamte Landwirtschaft für Palästinenser bewässern, verschüttet worden und die Lizenz für deren Nutzung aufgehoben worden. So kann die Landwirtschaft nicht mehr betrieben werden. Die Bauern werden gezwungen das Land zu verlassen, damit Besiedelung fortschreitet und Annexion leichter möglich wird. Die Palästinenser hatten Hoffnungen, Gegenseitige diplomatische Beziehungen und Normalisierung der Beziehungen zwischen allen arabischen Staaten und Israel würden auch Palästina einschliessen. Daher sind Enttäuschungen, Verbitterung und Gefühle des Verrats bei Palästinenser aufgeweckt worden.

Der «Jahrhundert - Deal» von Trump verkündet als die Lösung, die erzwungen werden soll, um den Nahost Konflikt zu beenden,  war von    Netanyahu und drei jüdisch-amerikanische Politiker ( Koshner, Greenblatt und Friedmann) entworfen und zur Bestätigung dem Präsidenten zum Verkünden vorgelegt. Die Palästinenser sind total umgangen worden und  mit Überheblichkeit und Verachtung begegnet worden, und diese Haltung dauert an. Die Annexion von mehr als ein Drittel der Westbank ist keineswegs widerrufen, sondern nur verschoben, denn sie ist im Jahrhundert Deal beinhaltet.  Tatsache ist, dass die Annektierung am Boden fortschreitet.  Die offizielle Verkündung der Annektierung soll Souveränität auf das Gebiet legitimieren und im grossen Masse Privatland konfiszieren ermöglichen.  Das annektierte Land würde dann von Verhandlungen ausgeschlossen sein.

Aus Protest und aus der totalen Aussichtslosigkeit heraus, haben die Palästinensischen Behörden die Sicherheits-Koordination und im Bereich ziviler Angelegenheit mit Israel gestoppt.  Mit gedemütigten und zerknickten Menschen kann nie Vertrauen und wahrer Frieden wachsen. Die Wirkung ist noch mehr leiden. Es zeigt aber auch, was es heisst unfrei und  völlig von der Militärbesatzung abhängig zu sein.  Jegliche Perspektive für ein normales Leben wird behindert. Weder Planung noch Durchführung von Wirtschafts-, Bildung- und Zukunftsplanung können ohne Bewilligung Israels nicht stattfinden. Das ist ein Druckmittel um die Interessen Israels allein zu sichern. Mehr als hundert Tausend Arbeiter sind auf Lohnarbeit in Israel angewiesen.  Unter schweren und ungerechten Bedingungen arbeiten sie, weil sie überleben wollen. Mittelmänner aus Israel und Palästina besorgen die Arbeitsgenehmigung. Diese Genehmigungen werden vergeben mit der Bedingung, dass jeder Arbeiter ein Viertel seines Tageslohnes an die Vermittler abgibt. Es gibt keinerlei Schutz. Besatzung macht beide Seiten korrupt.  

Wer Macht hat diktiert das Geschehen. Die Interessen der USA und Europe sind an den Interessen Israels geknüpft. Sie tun, was Israel verlangt, unbeachtet  internationaler- und Menschenrechtskonventionen.  Sie schweigen und lassen zu, dass die in Friedensverhandlungen erreichte Einverständnisse nicht mehr gelten.

Die Golfstaaten werden von feudalen, diktatorischen  Regimen beherrscht.  Die Emire und Könige bangen um ihre Reiche. Israel und USA haben es geschafft, die Golfstaaten zu überzeugen, dass Iran sie bedroht und dass Israel allein ihnen Sicherheit gewährleisten kann. Die Golfstaaten haben viele amerikanische und europäische Militärstützpunkte und sie sind voll mit hochmodernen Waffensystemen, die sie kaufen müssen, doch sie nur von den Fremdschutzmächte gebraucht werden. Der Krieg in Jemen wird von Saudi-Arabien, Bahren und Emirate geführt gegen einen Teil der Jemeniten, die mit Iran verbündet sind.  Es geht hier um Beherrschung der Region. Vor zwei Jahren hat die Emirate mit Unterstützung von Saudi-Arabien die  jemenitische Insel Sokatra am  Ostausgang des  Golfs von Eden besetzt. Die Emirate und Israel wollen auf dieser Insel Militärstützstation aufbauen für militärische und Spionage Aktivitäten. Es entsteht eine Allianz von Israel und den Golfstaaten gegen Iran und Oppositionelle der jeweiligen Regime.

Diese Allianz wird von den Nachbarstaaten als eine Bedrohung verstanden.

Wann machen wir eine Allianz für Frieden? Das würde viel weniger kosten und würde viel Leid und Not ausräumen.

Die Politik heute,  von den Mächtigen geführt,  basiert auf Beherrschung von Ressourcen wie Erdöl und Gas Vorkommnissen. Konflikte und Kriege werden innerhalb der Länder und Regionen initiert und gefördert, damit das Waffengeschäft noch mehr wuchert. Das Leben der Menschen zählt in dieser Zeit viel weniger in den Köpfen der Macht-und Geldgierigen, Waffenproduzenten und Waffen-Verkäufer.  Und genau diese eifern sich dann, um Friedensverhandlungen unter der verfeideten Seiten zuverwalten.

Meine Arbeit mit Frauen und Jugendlichen geht hauptsächlich via Internet und Telefon, manchmal persönliche Begegnung unter strenger Vorsicht und Befolgung der Gesundheits- Sicherheitsmassnahmen. Die Arbeit konzentriert sich auf Beratung und Besprechung von Themen, die zu ihrer Selbststärkung und Motivation, wie auch Ermutigung zur Hoffnung und Kreativität schaffen. Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen Handfertigkeiten zu vermitteln, wie sie mit der schwierigen Zeit auskommen, Bildung und Qualifizierung als Hauptziel behalten, sich schützen,  und bestens anpassen.

Wegen der Pandemie konnte meine Lese-und Vortragsreise in Mai 2020 nicht stattfinden, und die geplant Reise für November 2020 scheint auch schwer zu machen. Um den 20. Oktober entscheide ich mich, ob die Termine  in der zweiten Hälfte November möglich sein wird oder nicht. Die Begegnungen sind immer wichtig für Berichten und Aufklären und sie ermöglichen Unterstützung für die Arbeit, die weiter gehen muss.

Denn Kontinuität  schafft Hoffnung, und Hoffnung kommt durch die kleinen gesammelten Erfolge, die jede und jeder durch Bildung und Arbeiten an sich selbst erfährt. Wirkung von Erfolg und Freude sowie Erfahrung der positiven Stärke ermöglichen gutes Wohlbefinden und bewahren Sinn und Glauben an Werte der Menschlichkeit.

Wir wollen glauben, hoffen und vertrauen.

Liebe Grüsse und alles Gute

Sumaya Farhat-Naser

In seinem Newsletter vom 11. September 2020 berichtet Daoud Nassar

Es ist für uns sehr trostreich zu spüren, dass wir bei allem, was uns widerfährt, nicht allein sind. Herzlichen Dank all unseren Freunden, die uns in dieser schwierigen und kritischen Zeit, in der wir uns befinden, zur Seite stehen.

Wie ihr wisst, befinden wir uns mitten im Prozess der erneuten Land Registrierung.

Das erste Mal kam das Komitee für die Registrierung am 30. Juni 2020 auf den Weinberg, um die Grenzen der beiden Teile des Landes, die in unserem Besitz sind, zu kontrollieren. Bei dieser Gelegenheit sollten die Nachbarn unterschreiben und bezeugen, dass die Grundstücke uns gehören. Dies ist ein wichtiger Schritt im Prozess der Neuregistrierung. An diesem Tag konnte das Komitee alle Markierungen und Nummern nicht finden und musste deshalb das Verfahren abbrechen.

Wir mussten drei Landvermesser bestellen, die zwei Tage später kamen. Dann mussten wir bei 40 Grad Hitze alle Grenzen der Farm ablaufen – bergauf, bergab – über Steine und um Steine herum. Mit schwarzer Spray Farbe markierten wir jede Stelle der Grenze, die mittels GPS System angezeigt wurde und so die Genauigkeit der Markierung sicherstellt.

Das Komitee kam am 21. Juli 2020 wieder, um die erste Parzelle zu kontrollieren. Alle palästinensischen Nachbarn, deren Grundstücke an unsere Farm grenzen, waren anwesend. Sie bezeugten die Richtigkeit mit ihrer Unterschrift. Sie verhielten sich alle sehr kooperativ, und das Verfahren verlief total ruhig und reibungslos.   

Am 28. Juli 2020 kam das Komitee erneut, um den zweiten Teil zu kontrollieren. Bei den Dorfbewohnern stand hauptsächlich die Forderung zur Debatte, kleine Wege durch unser Land zu öffnen, um es unseren Nachbarn zu erlauben, darauf zu ihrem Grundstück zu gelangen. Wir erlaubten dies bereits vor einiger Zeit, aber die Frage drehte sich nun um die Forderung, dass diese Erlaubnis auch in den Papieren der Neuregistrierung vermerkt werden sollte. Wir befürchteten, dass wir den gesamten Prozess nochmals beginnen müssten, wenn wir uns formell damit einverstanden erklärten. Der gesamte Einwand konzentrierte sich an jenem Tag bei einigen Nachbarn nur auf die geforderten Wege. Niemand bestritt, dass wir die Besitzer des

Grundstücks sind. Einige Tage später besuchten mich ein paar Freunde aus dem Dorf und brachten drei weitere Leute mit. Diese drei Leute behaupteten, dass ein Teil des Grundstücks, das wir neu registrieren ließen, ihnen gehöre. Übrigens waren diese drei Leute am 28. Juli 2020 ebenfalls vor Ort als das Komitee kam,   aber     in Anwesenheit          des Komitees stellten sie keinerlei Besitzansprüche. Ich erklärte ihnen, dass wir alle notwendigen Besitzurkunden haben und sie dürften ihre Klage gern dem Gericht unterbreiten; jegliche Streitfragen könnten dort gelöst werden.           

Am 28. August rief mich ein Nachbar an, um mir mitzuteilen, dass diese gleichen drei palästinensischen Leute  aus dem Dorf mit einem Traktor kämen und beginnen würden, auf unserem Grundstück zu arbeiten. Ich habe sofort die Polizei benachrichtigt und ging zum Palästinensischen Regional Gouverneur, um eine Klage zu deponieren. Ich nahm ebenfalls Kontakt mit dem Gericht auf, um eine Anordnung zu erhalten, diesen Leuten Einhalt zu gebieten; dies ist noch im Gange, und ich hoffe, diese Anordnung bald zu erhalten.

Am 30. August ging ich zusammen mit Jihan hinunter ins Tal, um die Bäume zu bewässern und fand einen „Anbau Stop“ Befehl (stop cultivation order); später fand ich zwei weitere solcher Befehle im neuen Weinberg, wo wir vor ein paar Jahren Olivenbäume, Weinreben und Obstbäume gepflanzt hatten. Die Siedler von Neve

Daniel reichten beim Obersten Gericht Klage ein, um uns am Verfahren der Neuregistrierung zu hindern. Sie behaupteten, dass das Grundstück Staatsland sei

und wir es nicht als Privateigentum neu registrieren dürften. (Die Gerichtsverhandlung ist für den 30. September 2020 angesetzt)

Am 3. September haben Jihan und Amal Trauben im neuen Weinberg gepflückt. Sie standen 20 bis 30 mit Stöcken bewaffneten jungen Leuten gegenüber, die den Zaun zum neuen Weinberg niedergerissen hatten und drohten, die Wohnhöhle vom Weinberg zu zerstören. Jihan gelang es, Tony Nassar in Bethlehem anzurufen, der die Polizei benachrichtigte.

Am 4. September kamen Eindringlinge während der Nacht auf das Grundstück und haben gravierende Zerstörungen in der Höhle verursacht. Sie brachen die stark befestigte Tür zur Höhle auf, zerbrachen die Fenster, leerten die Regale und Schränke, warfen den Inhalt auf den Boden und verursachten weitere Schäden. Ausserhalb der Wohnhöhle zerstörten sie die kleine Solaranlage und die Batterien und stahlen den Generator. Beides versorgte die Höhle mit Elektrizität. Ferner zerstörten sie die Überwachungskamera und stahlen das Aufnahmegerät der Kamera. Auch wurden die dort vorhandenen Werkzeuge gestohlen. Der von den

Eindringlingen angerichtete Schaden beläuft sich auf etwa $30‘000. Die einzig gute Tatsache hierbei war, dass sich in jener Nacht keine Familienmitglieder dort befanden. Wir versuchen noch immer herauszufinden, wer hinter diesem Angriff steckte, was das Motiv war und warum es gerade jetzt geschah.

Während der ganzen letzten Zeit haben wir die gesamte Arbeit auf der Farm wegen des „Corona Virus“ allein ohne Arbeiter anzustellen und ohne die Hilfe von internationalen Volontären bewältigen müssen. Es ist wichtig für uns, auch während der Nacht auf dem Land bleiben, um Tag und Nacht unsere Präsenz zu zeigen. Wir haben Mandeln und Trauben geerntet und beenden auch bald die Feigen Ernte. Glücklicherweise war die Trauben Ernte in diesem Jahr sehr gut, aber unglücklicherweise haben wir keine Volontäre zum Helfen. Das größte Problem ist momentan, was wir mit der Ernte machen sollen. Wir wollen in diesem Jahr keinen Wein machen, da wir noch genügend vom letzten Jahr haben. Trauben auf dem Lokalmarkt zu verkaufen, rentiert nicht. Wir stellen Marmelade aus Trauben sowie eine Art „Licorice“ (Lakritze) aus getrockneten Trauben her.

Ein weiteres großes Problem stellt im Moment die Solar Anlage dar. Die Batterien sind bald verbraucht, und wir müssen sie ersetzen. Wir benutzten zeitweise den Diesel Generator, aber der ist zu laut – besonders während der Nacht. Ich befasse mich mit diesem Problem.          

Ich möchte so gern gute Nachrichten verbreiten, um mich und auch all unsere Freunde zu ermutigen, die hoffnungsvolle Nachricht erwarten. Ich kämpfe darum, aber woher soll man diese Hoffnung inmitten dieser Finsternis, in der wir uns befinden, nehmen? Ich weiß, dass die Kerze in diesem dunklen Tunnel noch immer brennt, aber ich kann sie noch nicht sehen. Ich muss mich darauf konzentrieren und in die betreffende Richtung sehen und lauschen, wo sie zu finden ist. Wir sind sicher, dass diese Kerze da ist und brennt, und ihr tragt sie für uns!             

Meine Freunde, unsere Reise wird fortgesetzt. Danke für euer Mittragen und Begleiten auf unserer langen Reise! Herzlichen Dank für all eure Gebete, Liebe und Unterstützung!     

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet fest am Gebet“.          

Gottes Segen und Friede sei mit euch!  

Daoud

Wir möchten in diesem Zusammenhang auf das Spendenkonto hinweisen, dass Gregor Schröder mit seinem Verein InterKult e.V. in Bonn für den Weinberg eingerichtet hat:

Bankverbindung - Kontoinhaber: JugendInterKult e.V., BIC: GENODED1BRS, 

IBAN: DE09 3806 0186 0704 8870 19, Verwendungszweck: „Daoud Nassar Tent of Nations“

(Spendenbescheinigung erst ab 100 €, da das Finanzamt Spenden bis 200 € ohne Spendenquittung anerkennt.)

 

Besuch von Dr. Khouloud Daibes, Botschafterin Palästinas in Deutschland, in Wiesloch

Auf Einladung unseres Vereins sprach Frau Dr. Daibes – nachdem sie sich am Nachmittag ins Goldene Buch der Stadt Wiesloch eingetragen hatte – am Abend des 21. Mai 2019 zur eingeladenen Öffentlichkeit.

Dr. Daibes hat in der BRD Architektur studiert und zum Thema Erhaltung des Kulturerbes Palästinas promoviert. Mit dieser Kompetenz und auch als Denkmalpflegerin war die palästinensische Christin von 2007 – 2012 im ersten Kabinett der Einheitsregierung zuständig für Tourismus und die Aufnahme inzwischen 13 historischer palästinensischer Stätten in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

In diesem Zusammenhang wies Dr. Daibes darauf hin, dass auf dem Territorium Palästinas die Wiege der Zivilisation des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes liegt. Jericho, eine der ältesten Städte der Welt mit ca. 10.000 Jahren Geschichte, berge 23 Schichten unterschiedlicher Zivilisationen. Sie rief auch in Erinnerung, dass Jerusalem der Nukleus dreier monotheistischer Weltreligionen ist, eine Kultstätte, die bei jeder dieser Religionsgemeinschaften höchste Bedeutung besitzt. Die Geschichte lehrt uns, dass Zivilisationen, in denen Juden, Christen und Moslems friedlich zusammenleben, größten wissenschaftlichen, kulturellen und materiellen Reichtum für alle hervorbringen.

Frau Dr. Daibes machte in ihrem Gedankenbeitrag klar, dass es im Interesse aller Ethnien in Palästina sei, diese friedliche Koexistenz zu erreichen. Sie erklärte, dass sich die Palästinenser nach einem langen, schwierigen Lernprozess über militärischen Widerstand, Intifada, Verhandlungen und gewaltfreien Widerstand zu der Erkenntnis durchgerungen haben, es sei klüger nachzugeben und einem Staat mit nur 22% Rest-Territorium zuzustimmen. Wobei Palästina ein Landausgleich eingeräumt werde, damit israelische Siedler in den völkerrechtlich illegalen Siedlungen bleiben können.

Doch auch dieses Angebot kann die israelische Regierung nicht zu einer Anerkennung des palästinensischen Staates bewegen. Während Palästina von 137 (von 193) Staaten anerkannt wird, verweigert der sog. Westen, vor allem die Schutzmacht USA und Europa, dem Staat Palästina die Anerkennung. Diplomatische Erfolge Palästinas wie der Beobachterstatus bei den UN, Klagerecht vor dem Internationalen Gerichtshof, der Beitritt zur Genfer Konvention und andere haben nicht dazu geführt, dass Palästina de facto Rechte einklagen kann und darf. Während Palästinensern für selbstverständliche Rechte Redetabus auferlegt werden, verfolge die israelische Regierung ein aggressives Besiedlungsprogramm in den besetzten Gebieten, jüngst mit der Androhung der Annexion der Westbank. Dr. Daibes wies darauf hin, dass militärische Aktionen zu keiner Lösung des Konfliktes führen können. Im Moment sei es tragisch, dass die Ultras beider Lager sich im gegenseiteigen Hass begegnen. In diesem Zusammenhang sei die Spaltung ihres Volkes gefährlicher als die Angriffe des israelischen Regierungslagers.

Frau Dr. Daibes als Botschafterin und als Kontaktfrau zu Friedensaktivisten beider Seiten vertritt ein klares Programm, um aus der Gewaltspirale auszusteigen:

  • sie pocht auf die Einhaltung des unveräußerlichen Rechtes auf Menschenwürde
  • sie pocht auf Einhaltung der internationalen Menschenrechte und auf das Völkerrecht
  • sie pocht auf das Existenzrecht eines palästinensischen Staates auf seinem Jahrtausende alten Stammland
  • sie pocht auf das internationale Recht auf gewaltfreien Widerstand, auch das des Boykotts und der Sanktionen
  • sie sieht eine Lösung des Konfliktes nur in der konsequenten Haltung gegen Gewalt, Hass und religiösen Fanatismus
  • deshalb fordert sie ein klares Engagement der religiösen Führung aller Kirchen
  • sie setzt auf die Bewahrung der kulturellen Identität ihres Landes
  • sie setzt auf Bildung
  • sie setzt auf die Vernunft, die in der Tradition der Aufklärung die Lösung von Konflikten in der Begegnung, durch Verhandlung und im Ausgleich von unterschiedlichen Interessen sucht

Die Anliegen von Frau Dr. Daibes stießen bei den Anwesenden auf große Zustimmung.

Der Abend war am „Vorabend“ der Europawahlen eine Lehrstunde im leider, leider vernachlässigten  Gedankenkosmos der Europäischen Aufklärung im Sinne von Voltaire, Montesquieu, Locke, Hume, Kant, Lessing oder Schiller. Wir haben uns bei Frau Dr. Daibes für ihre wertvollen Gedanken zu bedanken.

 

 

 „Frieden ist möglich – auch in Palästina“

Rathaus Wiesloch
Öffnungszeiten:     
Mo.+ Di. + Fr.  8-13 Uhr
                              Mi.+ Do. 8-18 Uhr
                              Sowie Führungen nach Vereinbarung                          

 1. Eröffnung im Wieslocher Rathaus am Di. 7. Mai 19 Uhr

 Musikalische Umrahmung: Musikschule Südl. Bergstraße, Maytrevi  Hundekari, Gitarre
 Begrüßung Günter Schroth
 Grußwort   Bürgermeister Sauer
 Einführung Elisabeth Gollwitzer, Initiatorin der Ausstellung
 Sekt und Selters
 Besichtigung/Rundgang

 
2. Begleitprogramm
 Führungen nach Absprache
 
21. Mai 20 Uhr Vortrag der Botschafterin Palästinas Dr. Khouloud Daibes , Berlin
 „
Die Palästinensische Mission in Berlin - Erwartungen und Hoffnung an die deutsche Regierung und Zivilgesellschaft“

Im Vorfeld findet am 21. Mai um 16 Uhr ein Empfang durch Oberbürgermeister Dirk Elkemann im Rathaus statt, mit Eintragung ins Goldene Buch der Stadt.

 
3. 22. Mai 20 Uhr Vortrag und Gespräch mit Nils Schmidt im Rathausfoyer

Thema:     Die Position der Bundesregierung zum israelisch-palästinensischen Konflikt

Referent: MdB Nils Schmid, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin.