„Frieden ist möglich – auch in Palästina“

Rathaus Wiesloch
Öffnungszeiten:     
Mo.+ Di. + Fr.  8-13 Uhr
                              Mi.+ Do. 8-18 Uhr
                              Sowie Führungen nach Vereinbarung                          

 1. Eröffnung im Wieslocher Rathaus am Di. 7. Mai 19 Uhr

 Musikalische Umrahmung: Musikschule Südl. Bergstraße, Maytrevi  Hundekari, Gitarre
 Begrüßung Günter Schroth
 Grußwort   Bürgermeister Sauer
 Einführung Elisabeth Gollwitzer, Initiatorin der Ausstellung
 Sekt und Selters
 Besichtigung/Rundgang

 
2. Begleitprogramm
 Führungen nach Absprache
 
21. Mai 20 Uhr Vortrag der Botschafterin Palästinas Dr. Khouloud Daibes , Berlin
 „
Die Palästinensische Mission in Berlin - Erwartungen und Hoffnung an die deutsche Regierung und Zivilgesellschaft“

Im Vorfeld findet am 21. Mai um 16 Uhr ein Empfang durch Oberbürgermeister Dirk Elkemann im Rathaus statt, mit Eintragung ins Goldene Buch der Stadt.

 
3. 22. Mai 20 Uhr Vortrag und Gespräch mit Nils Schmidt im Rathausfoyer

Thema:     Die Position der Bundesregierung zum israelisch-palästinensischen Konflikt

Referent: MdB Nils Schmid, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin.

 

Göttinger Friedenspreis 2019                                                                                      19.Februar 2019

Stellungnahme zur Preisverleihung an den Verein Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Vorstand des Vereins Bildung und Begegnung Palästina Wiesloch e. V.  begrüßt die Verleihung des Göttinger Friedenspreises an den Verein Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost und stellt sich im daraus entstandenen Konflikt inhaltlich hinter die Argumentation des Jury-Vorsitzenden Andreas Zumach.

Begründung:

  • Wir kennen persönlich einige deutsch/jüdische Mitglieder dieser Vereinigung und sind zutiefst von deren Integrität überzeugt.
  • Nach dem jahrhundertelangen Antisemitismus in Europa mit dessen schrecklichster Ausprägung im faschistischen Deutschland sind wir uns unserer Verantwortung für den Staat Israel bewusst und begrüßen es, dass das jüdische Volk eine „nationale Heimstätte“ (Balfour-Deklaration) gefunden hat. Wir unterstützen auch voll und ganz die deutschen Bemühungen der Zivilgesellschaft und der Politik, alle Formen des heutigen Antisemitismus zu bekämpfen. Es kann dabei aber nicht im Interesse des Friedens sein, dass die systematische Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung und die verheerenden Auswirkungen  der  52 Jahre andauernden Besatzung nicht kritisch zu hinterfragen sind. Es kann auch nicht hingenommen werden, dass das palästinensische Volk das Opfer für unsere historische Schuld erbringen soll.
  • Deshalb ist es unser Anliegen, die UNO-Resolution 181 (1947) und die Resolution 242 des UNO-Sicherheitsrates (1967) – in denen den Palästinensern ein eigener Staat in Palästina zuerkannt und die Besatzung Palästinas als völkerrechtswidrig eingestuft wird –  zu respektieren und auch entsprechend zu handeln.
  • Mit dem völkerrechtlich anerkannten Ziel eines gerechten und nachhaltigen Friedens zwischen Israel und Palästina müssen die Interessen beider Völker berücksichtigt werden. Davon kann durch die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas seit 52 Jahren leider keine Rede sein.
  • Im Interessenskonflikt zwischen Gegnern und Befürwortern der „Jüdischen Stimme“ ist es völlig kontraproduktiv, die Meinungsfreiheit des Anderen zu untergraben und dessen Meinung zu dämonisieren. Insbesondere ist Aufmerksamkeit geboten, wenn der Begriff Antisemitismus inflationär instrumentalisiert wird. Dies geschieht immer häufiger auch in der Auseinandersetzung um BDS. BDS wird dabei bewusst desinformativ mit dem faschistischen „Kauft nicht bei Juden“ assoziiert. Doch BDS ist nicht rassistisch motiviert sondern eine Form des gewaltfreien Widerstandes gegen die völkerrechtswidrige Besatzung und die dadurch eingeschränkten Lebensgrundlagen der Palästinenser. Daraus eine „Delegtimierung“ des Staates Israel zu unterstellen ist intellektuell unredlich. Kirchen, Gewerkschaften und – nach Aussage der Hohen EU-Vertreterin Federica Mogherini – die Charta der Grundrechte der Europäischen Union treten für BDS ein.

Unser Verein ist nicht der Organisation BDS beigetreten. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir deren Redlichkeit anzweifeln. 

Wir hoffen, Sie finden in diesem mit historischer Schuld beladenen Konflikt eine besonnene und demokratisch vertretbare Lösung.

Shalom und Salam

Für den Vereinsvorstand

Günter Schroth       Renate Schenk

Rhein-Neckarzeitung Mittwoch, den 28. November 2018

„Das Land nicht den Fanatikern überlassen“

Der Verein „Bildung und Begegnung Palästina“ feierte seinen 30. Geburtstag – Festrede von Sumaya Farhat-Naser

Wiesloch. (jbü) „Es ist eine Freude zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich um die Palästinenser sorgen. " Die palästinensische Friedensaktivistin Dr. Sumaya Farhat-Naser würdigte in ihrer Festrede im Palatin die nun schon seit 30 Jahren bestehende Arbeit des Vereins „Bildung und Begegnung Palästina". Dies sagte sie insbesondere mit Blick auf das unter Palästinensern vorherrschende Gefühl, von der Welt verlassen zu sein.

Es ist aber auch eine persönliche Freundschaft, die den Gründer des Vereins, Günter Schroth, mit der Hamburger Universitätsprofessoren verbindet, haben sie doch seit ihrer ersten Begegnung im Jahr 1987 den Kontakt aufrechterhalten. So war der Sektempfang zum Vereinsjubiläum ein Fest des Wiedersehens und der Begegnung von Mitgliedern, Förderern und Sponsoren. Kooperationspartnern und Freunden der Arbeit. Aber auch hier stand der jahrzehntelange Konflikt zwischen Israel und Palästina klar im Vordergrund: Mit Informationsbroschüren. Handzetteln, Aufstellern und einem Büchertisch ruhte die Aufklärungsarbeit nicht.

Auch in den Redebeiträgen legte man den Fokus nicht auf Selbstbeweihräucherung. Zwar. wurde, dank sechs Neuzugängen in den letzten sechs Monaten, auch das 101. Vereinsmitglied gefeiert, doch gab man neben dem persönlichen Austausch vor allem Raum für den kritischen, aber auch Mut machenden Beitrag von Sumaya Farhat-Naser. Wichtig ist der Verein für die Christin aus Bir Zait, bei Jerusalem, nach eigenen Worten auch, da er ihr ein Forum und damit Gehör in Deutschland verschaffe. Vorträge über Palästina zu halten, sei in Deutschland aufgrund von Behinderungen durch Lobbyisten keine Selbstverständlichkeit. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang scharf, dass das meiste Wissen über den Konflikt nicht aus Palästina komme. Dabei sei es doch wichtig anzuerkennen, dass es niemals nur ein Narrativ geben könne, sondern mindestens zwei oder mehr. 

30 Jahre Bildung und Begegnung Palästina: (v.li.) Eleonore Bruder, Edmund Berger, Renate Schenk, Lis Fink, Petra Sackczewski, Günter Schroth, Rudolf Leib, Dr. Sumaya Farhat-Naser, Rolf Haußmann und Bürgermeister Ludwig Sauer

Der Heimatverlust ist solch ein palästinensisches Narrativ, das Farhat-Naser mit spürbarer Emotion vortrug. Dabei sich jedoch nicht in Hass zu verlier-en, sondern so entstandene Differenzen mit Respekt stehen zu lassen und an der Hoffnung auf Frieden festzuhalten, ist für sie eine Form des Widerstands, eine zivilgesellschaftliche Möglichkeit, um Menschlichkeit zu bewahren. Diesen Ansatz verbreitet sie seit 15 Jahren in Form von Kursen in gewaltfrei er Kommunikation, unter anderem in Schulen. Auch wenn viele das Wort „Frieden" nicht mehr hören könnten, ist Farhat—Naser überzeugt: „Wir dürfen das Land nicht den Fanatikern überlassen. " Einige der Frauen und inzwischen auch Männer, mit denen die Aktivistin 'arbeitet, haben sich aus diesem Motiv heraus und in Eigeninitiative für einen Hebräisch-Kurs eingeschrieben.

Auf politischer Ebene schlug die Rednerin weniger versöhnliche Töne an. Insbesondere die Äußerungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem die ewige Hauptstadt Israels, habe desaströse Folgen für das Leben in Israel-Palästina gehabt: ein Entzug der Selbstbestimmung für Nicht-Israelis, die mit der Abwertung der arabischen Sprache, da nun nicht mehr offizielle Amtssprache, einherging. Mit Blick auf die politische Ungleichstellung von Juden und Nicht—Juden warf sie die Frage in den Raum: „Sind Wir nicht mehr Gotte Volk, weil wir Christen geworden sind?"

Als Christin verwies sie zudem auf die Forderung einer rückwirkenden Kirchensteuer für die letzten 30 Jahre, welche eine Zerstörung des christlichen Gemeindewesens nach sich zöge. Dabei hätten die traditionellen Kirchen ohnehin schon einen schweren Stand angesichts der zunehmenden Ansiedlung evangelikaler Einrichtungen. Des Weiteren sprach sie von einem durch Trump ermutigten Arbeitsverbot für soziale Organisationen, die Bildungs-, Gesundheits- und andere soziale Angebote für die etwa 400 000 Palästinenser in Jerusalem und Umgebung anbieten.

„Die israelischen Friedensleute sind auch verzweifelt", gab Farhat-Naser zu bedenken. Auf beiden Seiten hätten viele das Land schon verlassen. Und dennoch: Sie will weiterkämpfen und den Menschen Hoffnung schenken, ebenso wie der Verein „Bildung und Begegnung Palästina", der auch zukünftig Öffentlichkeitsarbeit betreiben, Bildungs- und Begegnungsfahrten organisieren und vor Ort auf viel fältige Weise Unterstützung bieten wird.

Dr. Abed Schokry hat 17 Jahre in Deutschland gelebt, an der TU-Darmstadt Maschinenbau studiert und in Berlin im Fach Biomedizinische Technik promoviert. Im Jahr 2007 ist er nach Gaza zurückgekehrt und lehrt jetzt an der Universität in Gaza City. Regelmäßig verschickt er Informationsbriefe über die Lebenssituation im Gazastreifen.


Sehr geehrte Damen und Herrn 

Liebe Freundinnen und Liebe Freunde,

Gaza am 08ten April, 2018

Ich bin verzweifelt und ich bin auch wütend.

Gaza wehrt sich gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen, gegen die völkerrechtliche Abriegelung, die den Gazastreifen zu einem Gefängnis für zwei Millionen Menschen macht. Initiiert wurden die Proteste von verzweifelten Menschen, an denen an beiden Wochenenden jeweils 20 000-30 000 teilnahmen. 

Einer der Initiatoren ist der 43 Jahre alte Lehrer Al-Kurd, der anlässlich der alljährlichen Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Palästinenser durch die Israelis bzw. wegen der Staatsgründung Israels auf die desaströse Situation der eingesperrten Menschen im Gazastreifen aufmerksam machen will. Das Aufbegehren der Bewohner in diesem abgeriegelten Küstenstreifen kam aus der Mitte der Gesellschaft. 

In einem friedlichen Protest zogen die Menschen Richtung Grenze, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, um die Welt wachzurütteln. Fahnen der Hamas (oder anderen politischen Gruppen) waren weit und breit nicht zu sehen, wenn sich auch Mitglieder der Hamas (und Fatah) dem Protest angeschlossen haben. Die Weltpresse, ganz besonders auch in Deutschland verdreht diese Tatsache und beschuldigt die Hamas, die Proteste initiiert und gesteuert zu haben. Die Medien behaupten die Hamas habe die Jugendlichen mit Steinen und brennenden Autoreifen an den Zaun geschickt, um in dieser geradezu lächerlichen Unterlegenheit gegen eine der am höchsten gerüsteten Armee der Welt vorzugehen. 

Übrigens, die Hamas, deren Politik auch von Menschen in Gaza kritisiert wird, wird in den deutschen Medien dämonisiert, indem ihr immer das Etikett „radikal islamisch oder islamistisch“ angehängt wird. Ich habe in Deutschland gelebt und weiß, dass mit dem

Wort „radikal“ nichts Gutes verbunden wird. Und viele Menschen wittern beim Wort „islamisch“ oder „Islam“ schon so etwas wie Gefahr. Mit dieser Etikettierung werden wir alle in Gaza zu latent gefährlichen Menschen. So funktioniert die Sprache, denke ich. 

Ich bin wirklich erstaunt, dass die Menschen in Deutschland und anderswo glauben, dass wir die Existenz Israels bedrohen könnten. Opfer und Täter werden absichtlich verwechselt. Heute sind WIR die Opfer. Ich glaube, das will man in der Welt nicht sehen, weil die historische Schuld, die die Welt und ganz besonders Deutschland zu tragen hat, es nicht erlaubt zu sehen, dass heute uns Palästinensern großes Unrecht zugefügt wird. UNS wurde das Land geraubt, WIR wurden vertrieben, WIR leben eingezäunt wie „wilde Tiere“ unter menschenunwürdigen Bedingungen. 

Ich bin realistisch, was uns genommen wurde, werden wir wahrscheinlich nicht zurückbekommen. Aber warum betrachtet die Welt unseren Wunsch nach 70 Jahren in unser Land zurückzukehren als unerhört und unverschämt, den Anspruch der Israelis nach 2000 Jahren dahin zurückzukehren, wo sie einst gelebt haben aber als völlig legitim? Wie kann es sein, dass übersehen wird, dass sich innerhalb von 2000 Jahren die territorialen Verhältnisse geändert haben? Wie kann es sein, dass die Vertreibung und Flucht der Palästinenser aus ihren Häusern, von ihren Grundstücken, aus ihrer Heimat, in der sie Jahrhunderte gelebt haben, nicht einmal thematisiert wird. Und wie kann es sein, dass die Welt der Landenteignung durch die Siedler meist stumm zuschaut oder sie sogar akzeptiert? Mit welchem Recht geschieht mir und uns das alles?

Wenn wir heute auch nur ein menschenwürdiges Leben fordern, wird auf uns in Gaza geschossen, werden wir in der Welt als Terroristen bezeichnet, können die israelischen

Soldaten auf uns schießen, ohne dass es einen Aufschrei in der Welt gibt. Das Vorgehen der israelischen Soldaten wird gebilligt, einmal abgesehen, von kaum hörbaren Ermahnungen, die die Israelische Regierung sowieso nicht interessieren, ganz egal, ob laut oder leise vorgetragen. 

Um diesen völkerrechtswidrigen und unmenschlichen Zustand zu erhalten, schießen die Scharfschützen nach Angaben der israelischen Armee gezielt auf Palästinenser, die angeblich versuchen, den Grenzzaun zu beschädigen. Man muss es sich einmal vorstellen, die Beschädigung eines Zaunes berechtigt zum Schusswaffengebrauch. Eine nationale Grenze besteht nicht zwischen dem Gazastreifen und Israel, denn Grenzen in diesem Sinn bestehen nur zwischen souveränen Staaten. Israel hat eine lückenlose Sperranlage mit einem Zaun, Pfosten, Sensoren und Pufferzonen um den Gazastreifen gelegt. Eine von Israel angelegte sogenannte Sicherheitszone ist 300 Meter breit. Hier herrscht Schießbefehl wie früher an der Berliner Mauer. Dieser Bereich ist nicht deutlich markiert. Auf bzw. hinter einem aufgeschütteten Sandwall liegend haben die Soldaten an den vergangenen Freitagen in die Menge der Protestierenden geschossen, die sich mindesten 300 Meter entfernt dem Zaun auf dem Gebiet des Gazastreifens befanden. Offenbar konnten sie aus dieser Entfernung genau erkennen, wer ein Terrorist war, der möglicherweise einen Stein 300 Meter weit werfen und sie in Gefahr bringen könnte. (Entschuldigen Sie meine Ironie!) Eine unterirdische Mauer befindet sich übrigens im Bau. Gut beschrieben finden Sie die Situation bei Wikipedia unter dem Stichwort „Sperranlage um den Gazastreifen“.

Am Karfreitag, den 30. März und am Freitag, den 6. April wurden zusammen mindestens 31 Palästinenser getötet und mehr als 2800 verletzt, sehr viele von ihnen erlitten Schussverletzungen. Allein am vergangenen Freitag, den 6.4. wurden 491 Menschen durch gezielte Schüsse verletzt, darunter auch Frauen und Kinder. Einige schweben in Lebensgefahr, viele der Überlebenden mussten an ihren Extremitäten amputiert werden. Kaum können die Verletzten angemessen versorgt werden, weil es an medizinischem Material fehlt. Verletzungen erlitten sehr viele Menschen durch Tränengasbomben, die von Drohnen abgeworfen wurden. 

Was war das „Verbrechen“, auf das Israel mit ihrer militärischen Übermacht reagierte?  Ist es ein „Verbrechen“, wenn 30 000 und mehr Menschen gegen die unerträglichen Lebensverhältnisse protestieren? 

Sollen wir schweigen, wenn wir seit mehr als 10 Jahren in einem Gefängnis leben müssen? 

Wenn wir nur vier Stunden Strom am Tag haben? 

Wenn es kein sauberes Wasser gibt? 

Wenn die medizinische Versorgung fast zusammen bricht, weil weder Medikamente, noch medizinische Geräte ausreichend vorhanden sind, weil sie nicht nach Gaza reingelassen werden? 

Wenn über 60% der Jugendlichen arbeitslos sind? 

Wenn weit über die Hälfte der Bevölkerung auf internationale Lebensmittelhilfe angewiesen ist? 

Wenn diejenigen, die noch Arbeit haben, nur 40-50% ihres eigentlichen Gehaltes bekommen? 

Und vor allem, wenn wir aus diesem kleinen Gebiet, das etwa so groß ist wie Bremen, nicht raus dürfen?  

Machen WIR etwa den Israelis das Leben zur Hölle? Oder ist es nicht doch anders herum? 

Auch wenn ich mich nicht an den Protesten beteilige, weil ich Angst vor den Schüssen der Israelis habe, (sollten sie in die Menge schießen), so kann ich die hilflose Wut der jungen Leute verstehen, die keine Aussicht auf ein Leben in Würde haben, die so behandelt werden, als seien sie alle Terroristen, die nichts anderes im Sinn haben als andere Menschen zu verletzen, zu erniedrigen oder gar zu töten. Unsere jungen Leute sind nicht als Terroristen geboren worden. Sie wollen leben wie alle jungen und alten Menschen überall auf der Welt, nämlich in Frieden und in menschenwürdigen Verhältnissen. Und sie sehen, dass nur wenige Kilometer entfernt im Nachbarland, häufig auf dem Boden ihrer Großeltern, Menschen leben, die all das haben, was ihnen selbst verwehrt wird. Genau das lässt sie verzweifeln und macht sie wütend. Sie wissen, dass sie verlieren werden, dass sie wahrscheinlich schon verloren haben und sie deshalb nichts mehr zu verlieren haben. Sie wissen, dass ihnen keine Achtung und kein Respekt entgegen gebracht wird, weil sie Palästinenser sind. Dass sie unrechtmäßig von der Welt als die Bösen angesehen werden und die Nachbarn, nicht weit entfernt, immer als die Guten gesehen werden, gleichgültig wie brutal sie sich verhalten. 

Niemand mag gern vom Leid, vom Elend der Anderen hören, besonders dann nicht, wenn man nicht weiß, wie man etwas ändern kann. Aber vielleicht können Sie doch etwas tun. Vergessen Sie uns nicht! Lesen, hören und sehen Sie die Berichte über uns, über die Palästinenser und vielleicht sogar über die „radikal islamische“ Hamas kritisch. Lassen Sie vielleicht auch die Frage zu, welches Motiv dahinter stecken mag, dass sehr viele, wenn nicht die meisten Menschen geneigt sind, Israel immer in Schutz zu nehmen, hingegen die Palästinenser für die Bösen zu halten, die angeblich selbst Schuld sind, dass sie in Gaza wie Gefangene unter unwürdigen Bedingungen leben müssen. 

Zum Schluss möchte ich noch wiedergeben, was Gideon Levy in Haaretz geschrieben hat:

 “Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was passiert wäre, wenn ein Siedler niedergestochen worden wäre – Rundfunk vor Ort, Studios würden geöffnet. Aber in Gaza haben die israelischen Verteidigungskräfte erbarmungslos weiter massakriert, in einem grauenvollen Rhythmus, während Israel Pessach feiert“. 

Es gibt Israelis, bei denen ich mich für ihren Mut und ihre Humanität bedanken möchte. Neben einigen anderen möchte ich ganz besonders Amira Hass und Gideon Levy hervorheben. Beide schreiben als Journalisten für die Zeitung Haaretz. Im Zusammenhang mit den Protesten in Gaza möchte ich mich bei der Organisation B’tselem bedanken, in der sich ehemalige Soldaten zusammengefunden haben, die ihr eigenes Vorgehen während ihrer Militärzeit selbstkritisch dokumentieren. Jetzt haben sie eine Kampagne mit Anzeigen in israelischen Zeitungen gestartet, die lautet: „Sorry Commander, I cannot shoot.“ Sie fordern die Soldaten am Sperrzaun zu Gaza auf, nicht auf unbewaffnete Protestierende zu schießen, weil dies illegal ist. 

Wenn ich sehr verzweifelt bin, machen mir diese Menschen Mut und Hoffnung, dass ich und vor allem meine Kinder es eines Tages erleben werden, dass Israelis und Palästinenser im jeweils eigenen Staat oder vielleicht auch in einem Staat friedlich nebeneinander leben können.

Ich hoffe, dass nicht noch mehr Menschen verletzt oder erschossen werden in den nächsten Wochen. In Deutschland habe ich den Satz gehört „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Ich wünsche mir, dass sich alle daran halten und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr. Abed Schokry