zum RNZ-Artikel vom 26. 4. 2017 „Gabriel kassiert in Israel Abfuhr“

Schweigen ist Silber – Reden ist Gold

Wenn deutsche Regierungsvertreter bei Auslandsbesuchen in Russland oder der Türkei (z. B.) Menschenrechtsfragen nicht oder nur nebenbei ansprechen, werden sie zurecht kritisiert. Doch ausgerechnet Israel, das sich als einzige Demokratie in Nahost bezeichnet, will nicht aushalten, dass Außenminister Gabriel sich mit regierungskritischen Gruppen trifft. Gruppen wie die Militär-Veteranen von „Das Schweigen brechen“. Dabei verhielt sich Gabriel nicht anders als Ex-Präsident Gauck oder der belgische Außenminister vor ihm. Offenbar sind für die israelische Regierung Themen wie die illegale Siedlungspolitik und militärisches Vorgehen im besetzten Westjordanland eine unerträgliche Provokation – wenn sie öffentlich gemacht werden. Gabriels diplomatische Absicht, Friedensgespräche mit einer Zwei-Staaten-Lösung wieder in Gang zu bringen, wurde von Ministerpräsident Netanjahu abserviert. Der Friede wird weiter auf Eis gelegt. Was soll aus Israel und Palästina werden? Statt militärischer Überlegenheit kann nur das Schweigen-Brechen zu einer Friedenslösung führen.

Renate Schenk

Wiesloch