Am 27.11.2017 hielt Prof. Halper an der VHS Heidelberg einen Vortrag, veranstaltet u.a. von unserem Verein BBP. Thema war die Rüstungs- und Sicherheitsproduktion und -export Israels (siehe unten). Nach Ende des Vortrags gab es die Gelegenheit zu Fragen. Eine der ersten kam von einem Mitglied des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, diese Frage betraf aber keineswegs das Vortragsthema, sondern die Haltung Prof. Halpers zu BDS. Halper nahm dazu Stellung. Ein paar Tage später erschien in der Rhein-Neckar-Zeitung ein Artikel unter der Überschrift "Darf in öffentlichen Räumen für einen Totalboykott Israels geworben werden ?" . Dabei kamen vornehmlich Mitglieder des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zu Wort, die Veranstalter, also die Palästinainitiative und BBP, praktisch gar nicht. Die Halper-Veranstaltung sei Teil der BDS-Kampagne und antisemitisch. Von der Stadt Heidelberg wird verlangt, für ähnliche Veranstaltungen keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen.



Der Nahe Osten – nur ein regionales Problem?   27.11.2017

Prof. Jeff Halper, israelischer Friedensaktivist, trat auf Einladung u. a. des Wieslocher Vereins BBP vor vollbesetztem Saal der VHS HD auf und referierte über das Thema „Wie Israel Palästina `befriedet´“. Unter „Befriedung“ versteht der Referent eine Methodik, wie Regierungen im Interesse wirtschaftlicher oder militärischer Ziele die kritische Bevölkerung beruhigt bzw. kontrolliert. Dieses Thema stellte er in einen globalen Zusammenhang, da das Modell der „Befriedung“ nicht nur auf die Beziehungen Israel/Palästina zuträfe.

Eine solche „Befriedung“ werde für notwendig gehalten, da weltweit Konflikte, Krisen und Kriege um Ressourcen die Bevölkerung unruhig oder sogar aufrührerisch machten. Dagegen mobilisieren die 147 Firmen, die 50% aller Ressourcen kontrollieren. Sie handeln im Interesse, „planungssicher“

ausbeuten zu können – d. h. ungehindert von demokratischer Mitbestimmung. Ziel dieser neoliberalen Sicherheitspolitik sei es, Bürger zu desinformieren, einzulullen oder einzuschüchtern. Neben entsprechender Informationspolitik werde die Polizei militarisiert und das Militär für Polizeiaufgaben trainiert und aufgerüstet.

In diesem Zusammenhang wies Prof. Halper auf die internationale Vernetzung Israels hin. Aus den USA bezieht das Land pro Jahr Militärhilfe von 3,5 Mrd. $, zwischen Israel und Europa gibt es einen Austausch an Sicherheits- und Militärtechnologie wie etwa die Entwicklung von Drohnen, die BRD lieferte bereits 9 U-Boote mit Nuklearkapazität. Dazu wird die Entwicklung von Nano-Waffen vorangebracht. Diese Kompetenzen ermöglichen, dass Israel einer der größten Waffenlieferanten der Welt ist. 

Neben den Sicherheitsinteressen beschrieb Halper auch entsprechende geostrategische Bündnisse. So gäbe es eine Achse sunnitischer Staaten wie Saudi-Arabien, der NATO und den USA und Israel, die sich im Kalten Krieg mit schiitischen Kräften wie der Hamas, Hisbollah, Syrien und dem Iran befände. Hier geht es um die Vorherrschaft im Nahen Osten, um Ressourcen wie Öl und Gas.

Da Israel seit Jahrzehnten im Brennpunkt dieser Kriege, Krisen und Konflikte steht, verstünde es sich als Experte in der Sicherheits-Fragestellung. Dazu gehöre auch die Weiterentwicklung geeigneter Waffensysteme. Auch diesem Thema widmete sich Halper. Ein wichtiges Mittel der Überwachung seien Drohnen. Sie sind in der Lage, Flüchtlingsbewegungen, Checkpoints oder Flughäfen zu überwachen. Sie filmen, aber sie können auch töten. Mini-Drohnen würden heute bereits als Insekten getarnt entwickelt, die mit Minikameras oder eben mit Giftspritzen lieferbar seien. Auch die Polizei gehöre zu den Nachfragern dieser Technologie.

Als revolutionärsten Forschungszweig präsentierte Jeff Halper die Nano-Technologie. Die eher aus der Medizinforschung öffentlich bekannte Entwicklung lässt sich auch militärisch nutzen. Sogenannte Nanoroboter (Nanobots) seien unsichtbar klein und könnten über den Stoffwechsel in den Körper gelangen. Sie könnten sich in Schwärmen ausbreiten und seien massenvernichtungstauglich. Sie könnten auch mit Künstlicher Intelligenz bestückt werden, die sie letztlich selbst für Militärs unberechenbar werden ließe.

Prof. Halper bezog all diese globalen Entwicklungen in die Fragestellung ein: Welche Rolle hat Israel  in der Welt? Wie kann Israel es sich leisten, seit 50 Jahren das Westjordanland besetzt  zu halten und dabei ungehindert gegen Menschenrechte zu verstoßen und UNO-Resolutionen zu ignorieren?  Die Antwort des Referenten war, dass es ein Netz sehr mächtiger Global Players mit vitalen Interessen im Nahen Osten gäbe. Sie profitierten vom israelischen know how in der „Befriedung“ der eigenen Bevölkerung ebenso, wie von der ausgereiften Miliärtechnologie im Einsatz im besetzten Palästina.

 Dies sei also kein regionaler Konflikt, das Thema gehe uns alle an.